Die verschollene Nummer 23

Ich habe vor etwa einem Jahr, rund um den Start von Herrschaftszeiten, meinen Balkoncast komplett in das Klangkammer-CMS umgezogen. Komplett fragt ihr euch? Nein, eine Episode hat sich meiner umfangreichen Suche entzogen. Leider konnte ich auf keiner Festplatte, auf keinem Backup und in keinem Feed BC#23 wieder finden. Ich hatte noch den Titel und die Shownotes, das Audio war aber weg – bis heute!

Aus anderen, hier nicht wichtigen Gründen, habe ich mich heute wieder in meinen Soundcloud-Account eingeloggt. Und siehe da: Ganz unschuldig sitzt da BC#23, seit acht Jahren unangetastet. Ich habe die Datei runtergeladen und nochmal durch Auphonic gejagt. Erwartet bitte kein Meisterwerk, weder klanglich noch inhaltlich. Aber: Der Balkongast-Feed ist damit wieder vollständig, und enthält alle Folgen die ich darin irgendwann mal veröffentlicht hatte. Und das freut mich schon ein wenig.

Die sogenannten „Ärzte für Aufklärung“

Bekannt aus Funk und Fernsehen sind mittlerweile die sogenannten „Ärzte für Aufklärung“.
Hinter dieser Vereinigung versammeln sich Ärzte und sogenannte Ärzte (vor allem sogenannte Ärzte), die Patienten, teilweise ohne vorhergehende Untersuchung, Atteste gegen das Masken tragen ausstellen.

Eigentlich wollte ich mich nur darüber lustig machen, wer sich hier so alles als Arzt bezeichnet. Es gibt eine Liste der Unterstützer, auf der Leute genannt werden, die Geld gegeben haben. Relativ weit oben auf dieser Seite ist auch ein PDF verlinkt, dass unterstützende Ärzte nach Wohnort sortiert auflistet. Ich habe mal den Stuttgartern etwas hinterher gegoogelt, und eine ganze Menge an Heilpraktikern, Akupunktur, Ganzheitlicher Medizin und sonstigen Placebos vorgefunden. Und auch die sonstige Liste der Geldgeber liest sich sehr amüsant. Von Heilpraktikern über Marketing-Spezialisten bis hin zu Vermögensberatern stehen da wirklich lustige Leute drauf. Interessanterweise keine Virologen oder Epidemiologen, dafür aber eine Menge an Ingenieuren. Die Art von Leuten denen man eine fundierte Meinung zu Viruspandemien eben zutraut.
Ich verlinke das hier natürlich auch, um mal das eigene Umfeld und die eigenen Ärzte einzugeben. Ich möchte mit niemandem davon eine (Geschäfts-)Beziehung haben.

Ich verlinke aber auch auf diese Seite, weil hier aller möglicher anderer Verschwörungssumpf aufzufinden ist. Von Impfgegnern, einem Außerparlamentarischen Corona Untersuchungsausschuss bis zu Links zu eindeutigen Verschwörungsgläubigen ist alles dabei.
Ich habe die letzten zwei Tage damit verbracht den Großteil der Videos vom Beginn zum Ende zu schauen, und wollte mehrfach wegen offensichtlicher Dummheit in den Tisch beißen. Es fällt mir schwer etwas herauszupicken, am spannendsten ist vielleicht der Abschnitt zu Impfungen. Hier geht es um die angebliche Einführung von „Zwangsimpfungen“ gegen Covid-19. Einen Beleg für eine solche geplante „Zwangsimpfung“ gibt es selbstverständlich nicht. Nicht mal einen schlechten oder nicht gültigen. Es wird einfach vorausgesetzt. Stattdessen gibt es vier verschiedene Beispiele für angebliche Zwangsimpfungen, mit angeblichen Komplikationen.

  • Das erste Beispiel stützt sich im wesentlichen auf eine Studie eines Mitarbeiters der University of Louisiana at Lafayette. John Oller hat einen Doktortitel in Linguistik (Sprachwissenschaft) und ist auch am Institut für Sprachstörungen angestellt. Seine Qualifikation über Impfungen zu sprechen möchte ich hier mal in Frage stellen, mal davon abgesehen, dass es mir sowieso schwer fällt Kreationisten ernst zu nehmen. Und auch die zitierte Studie halte ich für nicht besonders Aussagekräftig. Es sind gerade mal zwei Zitationen derselben zu finden, eine davon stammt von John Oller selbst, in der anderen wird die Studie als Negativbeispiel herangezogen.
  • Im zweiten Beispiel geht es um Polio-Impfungen. Leider haben da die sogenannten Ärzte für Aufklärung die Studie nicht viel weiter als bis zum Ende der Überschrift gelesen. Ansonsten wäre ihnen aufgefallen, dass die Studie selbst beschreibt, dass die Impfungen erfolgreich waren. Die Studie möchte einen Anstoß zum noch weiteren verbessern des Impfstoffes, beziehungsweise zum weiteren eliminieren der Nebenwirkungen, geben.
  • Zum dritten Beispiel kann ich nicht viel sagen. Die Studie sieht so erst mal recht solide aus, bezieht sich aber auf die 1980er Jahre, als man noch mit lebenden Viren geimpft hat. Laut Robert Koch Institut ist das nicht mehr stand der Forschung, mittlerweile impft man mit abgetöteten Viren. Das hat auch meine kurze Recherche unter den Studien und Artikeln ergeben, die dieses dritte Beispiel zitieren.
  • Das vierte Beispiel ist schon gleich gar keine Studie mehr, sondern das Ergebnis einer Untersuchung des indischen Parlaments. Auch hier hätte es sich gelohnt mal etwas weiter als bis zum Ende der Überschrift zu lesen: Es gab in Indien wohl den Verdacht, dass einige Kinder an einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gestorben sind. Die Untersuchung gibt das aber nicht her, im Gegenteil. An quasi jeder Textstelle steht, dass kein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Tod der Kinder feststellbar war. Im Gegenteil, teilweise sind die Kinder schlicht ertrunken. Weil das den sogenannten Ärzten für Aufklärung vielleicht klar war haben sie sicherheitshalber zusätzlich einen Artikel in der Epoch Times verlinkt. Die Epoch Times Deutschland, in der der Artikel erschienen ist, wird sehr häufig für ihre Nähe zur sogenannten AfD und zu Pegida kritisiert. Und laut ZEIT war die Epoch Times im September 2017 noch vor der Jungen Freiheit und PI-News das „Leitmedium der Rechtspopulisten“. Also genau die Art von Quelle, auf die man seine „Aufklärerische Bewegung“ gerne stützen möchte.

Zu guter Letzt: Es lohnt sich offenbar auch, mal den Gründern der sogenannten Ärzte für Aufklärung hinterher zu googeln. Da findet man dann auch solche Schätze.

Gegen Rassismus ist jeder gefragt

Ich habe vor einigen Tagen Alles Gesagt mit Alice Hasters gehört. Über sechseinhalb Stunden spricht Alice Hasters mit Jochen Wegner und Christoph Amend, den beiden Gastgebern des Podcasts, über ihre Erfahrungen als schwarze Frau hier in Deutschland. Sie ist hier geboren und aufgewachsen, sie gehört hierher.
Ich halte mich für recht aufgeklärt und reflektiert im Umgang mit mir und meinen Gedankengängen. Und trotzdem habe ich mich immer mal wieder dabei ertappt zu denken, dass es jetzt doch auch wirklich mal reicht mit den Rassismus-Themen. Und das waren gerade mal sechs Stunden. Ich kann mir also wirklich nicht vorstellen wie es ist, das ganze Leben damit konfrontiert zu sein. Und ich kann verstehen, warum Betroffene von Rassismus Diskussionen auf einem gewissen Niveau nicht mehr führen wollen.

Vielleicht ist das die Aufgabe der Nicht-Betroffenen. Die Diskussion auf ein Niveau zu heben, wo man nicht mehr erklären muss, warum das Wort Bimbo rassistisch ist. Es liegt an den weißen Menschen diesen Grundkonsens herzustellen. Ohne diesen Grundkonsens bleibt uns nur die Barbarei.

The Miracle Sudoku

Gestern hatte ich es bereits getwittert, aber manches möchte man doch nochmal für die Ewigkeit festhalten. Dazu gehört dieses Video, in dem jemand ein Sudoku löst. Ich rate euch dringend dazu diese 25 Minuten zu investieren. Glaubt mir, es lohnt sich SEHR!

(via Daring Fireball und Kottke)

Podcastempfehlungen

Über die Frage ob die Covid-19-Pandemie noch ein Problem oder schon eine Krise ist lässt sich trefflich streiten. Je nach eigener Profession kommt hier auch sicherlich ein eigenes Ergebnis zu Tage. Fest steht allerdings, dass sich für viele Menschen das tägliche Leben grundlegend verändert hat. Vielen fehlt der tägliche Gang zur Arbeit, manchen fehlt vielleicht sogar die Arbeit als solches. Auf jeden Fall fehlt aber häufig sozialer Kontakt, sei es unterwegs in der Bahn oder an der Kaffeemaschine im Büro.
Ich selbst zähle mich schon lange zum eher zurückgezogenen lebenden Teil der Gesellschaft – ich verbringe meine Zeit auch gerne mal alleine. Um trotzdem ein wenig menschlichen Kontakt zu verspüren höre ich Podcasts. Ausgedehnt und voller Freude am Medium. So viel, dass meine Podcast-App die Musik-App nicht nur verdrängt hat, nein, die Musik-App ist komplett vom Handy verschwunden. Schlicht und einfach weil ich sie nicht mehr benutze.
Ich möchte hier gerne einige Podcasts vorstellen. Bewusst sind diese etwas breiter gehalten und haben auch etwas weniger mit der aktuellen Nachrichtenlage zu tun. Man muss sich ja nicht komplett verrückt machen lassen. Und wenn doch, dann soll man wenigstens Spaß dabei haben.

  • 5 Minuten Harry Podcast wird von Coldmirror für Funk produziert. Sie schaut den ersten Harry Potter Film in fünf Minuten Stückchen und nimmt ihn bis ins kleinste Detail auseinander. Auch und gerade Fans des Franchises lernen hier noch VIEL neues.
  • 13 Minutes to the Moon von der BBC schaut sich die Apollo Missionen an. Die, die auf dem Mond gelandet sind, und die, die es sollten. In Staffel eins wurde en detail die 13 Minuten beschrieben, die der Eagle auf dem Weg zur Mondoberfläche unterwegs war. Die aktuell laufende Staffel 2 beschäftigt sich mit Apollo 13. Das waren die mit Houston, wir haben ein Problem!
  • 99% Invisible ist ein Podcast über Design. Design in allen Formen und Farben. Design an den Stellen, wo es meistens übersehen wird. Roman Mars, der Producer der Show, ist der Typ mit den Flaggen.
  • Alles Gesagt von ZEIT Online. In diesem Interviewpodcast kommen spannende Personen zu Wort, und zwar so lange, wie sie es selbst möchten. Klingt seltsam, ist es auch manchmal. Aber wenn Politiker, Journalisten, Künstler, Philosophen, etc. Zeit haben um auszureden, dann kommen tolle Gespräche zustande.
  • Bonnies Ranch ist eine der Shows die einen zwar vielleicht ein wenig verrückt macht, dafür hat man aber unglaublich viel Spaß dabei. Viele Leute hören gerne Fest und Flauschig von Olli Schulz und Jan Böhmermann. Bonnies Ranch ist Fest und Flauschig auf Steroiden.
  • CRE ist ein Interviewpodcast. Keiner zu einem speziellen Thema. Alles ist erlaubt, so lange es interessant ist. Die Themen reichen vom Brotbacken (knapp 3h), über Internet in Schulen (1,5h) bis hin zu World of Warcraft (2,25h). Seit 2005 betreibt Tim Pritlove diesen Kanal. Mittlerweile sind viele mehr dazu gekommen.
  • Dan Carlin’s Hardcore History handelt von Geschichte. In epischer Breite. Da kann man dann schon mal 12,5h über den Pazifikkrieg von 1937-1945 reden. Wohl gemerkt: Dan Carlin spricht alleine. Zum Glück ist das ganze aufgeteilt in handliche 4h-Episoden…
  • Deutschland3000 kommt wieder von Funk, diesmal produziert von Eva Schulz. Auch sie spricht mit spannenden Leuten aus Politik und Kultur. Allen denen Alles Gesagt zu lange ist sollten unbedingt bei Deutschland3000 mal reinhören.
  • Die Sprechkabine ist ein Gespräch. Zwei Freunde unterhalten sich über alles was ihnen so einfällt. Meistens geht es ums Essen, immer ist es unaufgeregt und gesittet. Ganz anders als die Empfehlungen davor, aber trotzdem eine große Freude.
  • Nur 30 Minuten? ist ein Podcast über digitale Medienerziehung von Kindern. Er richtet sich explizit an Eltern, ist aber auch für alle anderen die irgendwas mit Kindern zu tun haben interessant. Staffel 1 ist gerade rum, eine ideale Gelegenheit zum Nachhören der alten Folgen.
  • Rechtsbelehrung ist ein Jura Podcast. Aber einer in dem nicht nur Paragraphen vorgelesen werden, sondern in dem Hintergründe und interessante Beispiele vorgestellt werden. Jede Episode hat ein spezielles Thema, von Arbeitsrecht, über Tätowierungen und Datenschutz, bis hin zu Influencer Marketing. Hier ist für jeden ein Thema dabei.
  • Song Exploder ist ein Musik Podcast. Hier wird aber nicht jede Woche ein neues Album oder ein fresher Künstler vorgestellt. Stattdessen bekommen die Künstler selbst die Gelegenheit ihre Gedanken zu ihren Titeln zu beschreiben. Interpreten wie Slipknot, U2, Sheryl Crow und Natalie Prass waren schon zu Gast. Sie, und viele mehr.
  • Stay Forever ist ein Podcast über Videospiele. Alte Videospiele. Als die Pixel noch groß waren und die Körper noch eckig war ich zwar auch noch nicht so involviert in der Spielewelt. Bei einigen war ich noch nicht mal geboren. Es macht aber Spaß die alten Geschichten vom Krieg zu hören.
  • Troja Alert ist ein Erzählpodcast. Es geht um griechische Helden und biblische Vorväter. Spannend erzählt und umsichtig eingeordnet. Wem das Format gefällt kann sich durch unzählige Stunden an bereits veröffentlichten Geschichten wühlen.
  • ZEIT Verbrechen ist ein True Crime-Podcast. Einer der besten. Sabine Rückert aus der ZEIT-Chefredaktion und Andreas Sentker, der Leiter des Wissensressorts, besprechen spannende Kriminalfälle aus der deutschen Kriminalgeschichte. Unaufgeregt und spannend erzählt, und gleichzeitig mit einem Blick fürs Detail.

Und für alle die trotz allem ihre tägliche Dosis Covid-19 benötigen: Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten erscheint (werk-)täglich. Der Virologe der Charité in Berlin erklärt hier unaufgeregt den aktuellen Forschungsstand zur Covid-19-Pandemie. Er gibt Infos zu seinem Forschungsstand, spricht aber auch über Studien anderer Wissenschaftler. Ein Podcast der mit Preisen überhäuft werden wird, sobald wir irgendwann zur Normalität zurück kehren werden.

Windows Energiemanagement

Ein neuer Artikel aus der Reihe „Ich blogge hier Zeugs das ich später selber wieder finden möchte.“ Ich habe vor ein paar Tagen einen Windows-Laptop zur Ersteinrichtung auf dem Schreibtisch stehen gehabt. So weit so unspektakulär.
Ein Thema hat mich allerdings an den Rand des Wahnsinns getrieben: Der Rechner ließ sich nicht ausschalten. Beziehungsweise konnte man ihn zwar Herunterfahren, danach haben die Status-LEDs aber fröhlich weiter geleuchtet und der Rechner ließ sich auch nicht mehr starten. Einzige Abhilfe: Via erzwungenem Abschalten, also dem gedrückthalten des Power-Knopfes, den Rechner komplett vom Strom nehmen. Erst danach war ein Start des Systems wieder möglich. Der Rechner selbst ist ein aktuelles Gerät aus dem Hause Lenovo, vorinstalliert war Windows 10.

Das Problem bestand hartnäckig. Zunächst habe ich alle Updates installiert – ohne Erfolg. Auch ein komplettes zurücksetzen des Systems hat nichts gebracht außer einen halben Tag Produktivität zu zerstören.

Die Lösung des Problems: In den Energieeinstellungen gibt es einen Punkt der sich „Fast Startup“ nennt. Zu finden unter „Systemsteuerung > Energie > Weitere Energieeinstellungen > Was beim zuklappen des Laptops geschehen soll > Einstellungen die zur Zeit nicht verfügbar sind ändern > Fast Startup“ muss der Haken bei eben jenem Fast Startup entfernt werden. Danach lässt sich der Rechner bequem herunterfahren und auch wieder wie gewohnt starten.


Außerdem: Zumindest bei diesem Modell lohnt sich eine zweite Einstellung. Ich hatte reproduzierbar das Problem, dass sich das Gerät beim in den Ruhezustand versetzen aufgehangen hat. Der Bildschirm hat sich zwar abgeschaltet, der Rechner ist aber wie beim oben beschriebenen Problem nicht wieder aufgewacht. Ein erzwungener Neustart über den Power-Button war notwendig um das Gerät wieder zu nutzen. 

Allerdings hat meine Fehlersuche ergeben, dass dieses Problem nur auftritt, wenn der Rechner nicht gesperrt ist. Scheinbar war es dem Gerät aus irgendeinem Grund nicht recht, wenn es gleichzeitig in den Ruhezustand sollte und das Gerät dadurch gesperrt wurde. Das Problem ist nämlich nicht aufgetreten, wenn der Rechner im Anmelde-Bildschirm war, oder wenn vorher via „Windows + L“ der Bildschirm gesperrt wurde.

Die „Lösung“: Aktiviert man den Bildschirmschoner vor dem Ruhezustand lässt sich das Gerät in jedem Zustand wieder zuverlässig in Betrieb nehmen. Dazu unter „Systemsteuerung > Personalisierung > Sperrbildschirm > Einstellungen für Bildschirmschoner“ die Wartezeit auf einen Wert stellen, der kleiner als der des Ruhezustands ist („Systemsteuerung > System > Netzbetrieb und Energiesparen“) setzen, und dann den Haken bei “Anmeldeseite nach Reaktivierung” nicht vergessen. 

Herrschaftszeiten

Herrschaftszeiten, der Podcast über Macht und Mächtige. Unter diesem Motto schaue ich mir in diesem neuen Podcast Regierungssysteme aller möglichen Staaten vor. Bisher waren zum Beispiel das Vereinigte Königreich, Liechtenstein und Russland Thema, in der nächsten Folge geht es das erste mal über das Mittelmeer nach Afrika. Mein Ziel ist es, dass die Hörerinnen und Hörer Nachrichten über das jeweils besprochene Land hören können und verstehen worum es geht. Das ganze angereichert mit etwas Trivia-Wissen.

Hört gerne mal rein, drüben im Fachblog bei Klangkammer-Media.de.

Nützliches Wissen

Es gibt Dinge die regen einen jedes Mal auf wenn man sie liest oder sieht. Bei mir gehört die Phrase „unnützes Wissen“ dazu. Das Konzept, dass Wissen unnütz sein könnte findet in meiner Realität und meiner Sicht auf die Welt nicht statt. Wieso sollte es nutzlos sein Dinge zu wissen?

Ein Problem, das wir als Gesellschaft heute haben ist, dass viel zu wenig mit Fakten argumentiert wird. Stattdessen kommen sowohl im Privaten als auch in der Politik mehr und mehr gefühlte Fakten, früher ehrlicherweise Bauchgefühl genannt, zum tragen. Was nicht ins Weltbild passt wird ausgeblendet. Argumente die den eigenen Standpunkt entkräften werden ignoriert oder zu Fake News, früher Falschmeldung oder auch Lüge genannt, erklärt. Der Wissenschaft wird nicht mehr getraut, plötzlich glauben wieder ernsthaft Leute, dass die Erde eine Scheibe sei. Man kann nicht nur behaupten, dass der Klimawandel eine Erfindung der Chinesen sei ohne ausgelacht zu werden. Man kann mit dieser Einstellung sogar amerikanischer Präsident werden.

Mir ist schon klar, dass es etwas weit hergeholt ist all das auf „unnützes Wissen“ zurückzuführen. Menschen denken nicht automatisch, dass Angela Merkel eigentlich eine Echse ist, nur weil man ihnen „unnützes Wissen“ präsentiert. Trotzdem ist es erwiesen, dass nicht nur das Sein das Bewusstsein schafft, sondern auch andersrum das Bewusstsein Einfluss auf das Sein hat (Thomas Theorem). Von der Annahme, dass Wissen nutzlos sein kann ist es nicht mehr so weit zur Wissenschaftsfeindlichkeit. Und deshalb regt mich diese Phrase so sehr auf.

Im englischen spricht man von „Fun Facts“, also Tatsachen die Spaß machen, die einen vielleicht zum Schmunzeln bringen. Sie sind nicht nutzlos. Im Gegenteil, der Nutzen ist schon im Begriff beschrieben: Fun. Mag sein, dass darüber hinaus nicht viel hängen bleibt, aber das ist ja schon mal besser als nichts. Und wer weiß, vielleicht kann man ein entsprechendes Faktum später einmal auch ernsthaft anwenden.

Ein Beispiel: Die Tatsache, dass es außer in Deutschland nur zwei indische Bundesstaaten und die Isle of Man ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen gibt habe ich vor etwa einem halben Jahr herausgesucht (http://www.unnützes-wissen.de/index.php?fact=17.7.2018). Heute argumentiert der Bundesverkehrsminister ernsthaft, dass ein Tempolimit auf Autobahnen “wider den Verstand” sei. So viel Spaß es mir macht schnell Auto zu fahren, die Deutschen ausgerechnet als einziges Volk mit Verstand darzustellen grenzt mindestens an Torheit. Eine Torheit die durch das genannte Faktum noch untermauert wird.

Wenn du nicht für das Produkt bezahlst…

Wer für ein Produkt nicht bezahlt ist das Produkt. Dieses Prinzip ist nichts besonders Neues, auch wenn dieser Satz es sehr schön auf den Punkt bringt. Und was für die beiden Schweine rechts gilt, gilt auch für uns Menschen. Besonders in Zeiten von Facebook und Co, die ihr Geld nicht etwas mit Gebühren der Nutzern verdienen, sondern dadurch, dass sie unsere Profile an dritte weiterverkauft. Wir sind nie Facebooks Kunden gewesen, Kunde ist in diesem Beispiel die Werbeindustrie.

Ich habe aber mittlerweile ein neues Beispiel für dieses Prinzip gefunden, dass, so denke ich, sehr illustrativ ist. Die PAYBACK American Express Karte. American Express ist ein Kreditkartenanbieter, vom Image her eher auf dem Golfplatz zuhause. American Express ist die wertvollste Kreditkarten-Marke der Welt, und in den Top 30 der wertvollsten Marken insgesamt. Vor Audi, VW und J.P.Morgan zum Beispiel.

Möchte man eine Kreditkarte von diesem Anbieter kostet das, je nach Kartenprodukt, mindestens vier Euro pro Monat. dafür bekommt man die Blue Card, deren Hauptmerkmal die Karte aus durchsichtigem Kunststoff ist. Diese kostet also 48€ im Jahr, beziehungsweise wird sie beitragsfrei ab einem Umsatz von 3500€. American Express verdient also allein davon, dass sie die Karte ausgeben 48€ pro Jahr, ohne dadurch nennenswerte Kosten zu haben. Selbst wenn der Mindestumsatz von 3500€ erreicht wird, dann hat American Express am Umsatz mitverdient, und bei einer Transaktionsgebühr von 1,9% 66,50€ verdient. Je nach Kartenprodukt sind die Kosten auch höher, bei der American Express Card liegt die Jahresgebühr bei 55€ oder einem Mindestumsatz von 4000€, was wiederum Transaktionsgebühren von 76€ entspricht. Die Gold Card kostet sogar 140€ jährlich, die auch nicht durch Umsatz wieder abgebaut werden können.

Anders ist es bei der PAYBACK American Express Karte. Diese ist ohne Jahresgebühr und Mindestumsatz erhältlich, American Express wirbt damit, dass die Karte dauerhaft gebührenfrei ist. Ein Unternehmen wie American Express hat aber nichts zu verschenken. Irgendwie muss das Geld ja am Schluss wieder rein kommen. Klar, auch hier werden die Transaktionsgebühren für die Händler fällig, aber irgendwie kann das ja nicht alles sein. Im Gegenteil, eine gebührenfreie Karte nagt ja auch ein wenig am Image der Firma. Es gibt zwar Vorteile der Platinum Card, aber die beziehen sich hauptsächlich auf den Zugang zu Flughafen Lounges. Deshalb 600€ pro Jahr bezahlen? Eine American Express Karte hat nicht jeder, das prägt das Image dieses Zahlungsmittels.

American Express muss also mit der Karte, zuzüglich der Transaktionsgebühren mindestens 48€ an der PAYBACK American Express Karte verdienen. Vermutlich sogar noch etwas mehr, weil ja wie gesagt der, wenn auch leichte, Imageverlust ausgeglichen werden muss. Und das verdienen Sie durch Payback. Payback verkauft den teilnehmenden Händlern Profile der Kunden. Einkaufsgewohnheiten, bevorzugte Marken, etc. Damit kann der Händler gezielt werben und Kundengruppen ansprechen, oder auch dazu bringen verstärkt bei ihm einzukaufen. Das ganze ist aus Datenschutzgesichtspunkten höchst kritisch zu sehen, allerdings legal. Aber auch hier gilt: Paybacks Kunden sind die Händler, nicht die Konsumenten. Und für American Express muss der Mehrwert dieser Kundendaten so groß sein, dass sie dafür bereit sind auf die Gebühren zu verzichten und den angesprochenen Imageverlust hinzunehmen. Der Wert muss also noch größer als die hier aufgeführten Zahlen sein.

#DeleteFacebook

Die Diskussion um Cambridge Analytica in den letzten Tagen hat mich mal wieder über Facebook nachdenken lassen. Ich hab da einen Account, benutze den aber äußerst selten. Faktisch gesehen habe ich die letzten 18 Monate da quasi nicht reingeschaut. Im vergangenen Herbst habe ich bemerkt, dass einer meiner Twitter-Accounts da automatisch reinpostet, das habe ich dann abgedreht.

Nachdem Cambridge Analytisch mal wieder bewiesen hat, dass Daten SAMMELN und VERKAUFEN das Geschäftsmodell von Facebook ist habe ich mich entschlossen, mal nachzuschauen, was die dort über mich wissen. Dazu kann man in den Untiefen der Facebook-Einstellungen den Datensatz über den eigenen Account anfordern. Auf Twitter habe ich den ein oder anderen Bericht gesehen, was das alles beinhalten kann. Vom Adressbuch, über die Anrufhistorie (!) bis hin zu allen Bildern inklusive Metadaten, die man jemals dort hochgeladen hat.

Bei mir waren zum einen die relevanten Werbethemen spannend. Zum Beispiel hat es mein Wohn- und Arbeitsort hineingeschafft, das Auto das ich gerne fahren würde, ein Videospiel, in das ich einiges an Zeit gesteckt hat, sowie eine Schauspielerin, in die ich vor einiger Zeit mal etwas verknallt war.

Schon spannend, was man aus ein paar Likes rauslesen kann. Trotzdem ist das deutlich weniger, als ich bei anderen Leuten gesehen habe, und in meinen Augen auch lange nicht so vollständig.

Was allerdings vollständig da ist sind ALLE Nachrichten seit IMMER, inklusive einer Nachricht an Silvana Koch-Mehrin, die ich offenbar am 21. Oktober 2009 geschrieben habe. Das ist natürlich nicht überraschend, hat mich aber doch etwas erstaunt.

Alles in allem scheint es sich gelohnt zu haben auf iOS, und nicht auf Android zu setzen. Facebook weiß zwar vieles über mich, aber solche Dinge wie Location-Tracking, Anruflisten mitschreiben und SMS lesen scheint auf iOS nicht zu gehen, zumindest hat mein Datensatz nichts dergleichen eingetragen.

Ich mag Facebook nicht. Ich mag nicht, wie sie ihr Geld verdienen, wie egal ihnen die Privatsphäre ihrer Nutzer ist, und wie skrupellos sie auf alles scheißen, was in Richtung staatlicher Regulierung gehen könnte. Facebook zeigt eindrucksvoll, dass man für ein Produkt bezahlen muss, ansonsten wird man zum Produkt.

Das ist alles nicht neu für mich, und dennoch wird es einem gerade mal wieder schön vor Augen geführt. Mir ist auch bewusst, dass Instagram und WhatsApp zum selben Konzern gehören, aber ich fürchte manchmal muss eben eine Baustelle nach der anderen angegangen werden.

Von daher: Ich bin dann dort mal weg. Kontaktiert mich gerne auf Twitter, Leute die mich persönlich kennen sollten auch meine Handynummer haben, meine Mailadresse steht auch hier im Blog.