Alles „EC on PC“?

Sei es aus Kostengründen oder aus Gründen der Kreativität: Nachdem die Verkäufe jahrelang zurückgingen erlebt das Textilhandwerk im allgemeinen und die Nähmaschine im speziellen zur Zeit eine Renaissance. Nicht nur das Firmen wie Manomama wieder komplett in Deutschland produzieren, und zwar vom Garn bis zum fertigen Produkt, auch in immer mehr Privathaushalten hält die Nähmaschine wieder Einzug, wie zahlreiche Blogs und Foren zeigen.

Viele dieser Nähmaschinen für den Privathaushalt sind inzwischen kleine Computer geworden. Sie nähen verschiedene Muster und Buchstaben, sie beherrschen Ziernähte und man kann sogar die Länge von Knopflöchern einspeichern. Und als wäre das noch nicht genügt ist es oft sogar möglich den Nähcomputer mit dem richtigen Computer zu verbinden. Und da geht dann der Spaß erst richtig los. Angeschlossen an den Rechner lassen sich vorgefertigte Nähmuster an die Maschine senden, und man kann sogar komplexe Stickmuster übertragen. Und in dieser Anbindung an den Computer liegt meistens der Hase begraben.

Ich konnte in letzter Zeit etwas Erfahrung mit einer BERNINA Aurora 450 sammeln. Eigentlich eine tolle Maschine. Wenn man sie anfasst spürt man zwar, dass das Gehäuse aus Kunststoff gefertigt wurde, gleichzeitig muss sich die Maschine aber nicht für ihr Material entschuldigen. Die gesamte Verarbeitung wirkt sehr wertig, und versucht man die Maschine anzuheben spürt man auch, dass die Ingenieure aus der Schweiz hochwertige Technik verbaut haben. An anderer Stelle wurde mir mal versichert eine BERNINA sei so etwas wie der Mercedes unter den Nähmaschinen. Und mir als Stuttgarter sagt das eigentlich schon alles was ich wissen muss.

Das Problem an der Aurora 450 ist also nicht die Hardware. Die hält allen Belastungen stand, der ich sie aussetzen konnte. Das Problem ist wie so oft die Software.
Auf der Computer-Seite wird von BERNINA direkt nur eine Windowssoftware angeboten. Mit der kann man Stickereien entwerfen, oder auch aus anderen Vektorprogrammen wie CorelDRAW importieren, und sie danach an die Nähmaschine senden. Dieses Programm, BERNINA DesignerPlus, ist in seinem Funktionsumfang aber recht eingeschränkt. Es war mir zum Beispiel nicht möglich Text kreisförmig anzuordnen, und auch Blocktext in eine Kreisform zu bringen ist in meinen Augen nur mit sehr viel Handarbeit machbar. Um etwas komplexere Muster auf den Stoff zu bringen ist es in meinen Augen unumgänglich eine professionelle Vektorsoftware zu bemühen.
Dazu hatten die Entwickler bei BERNINA allerdings eine gute Idee: Hat man ein Vektorzeichenprogramm auf dem Rechner installiert wird das mit in die BERNINA-Software eingebunden. Ich habe das zwar nur mit CorelDRAW versucht, anscheinend funktioniert das aber auch mit einer Handvoll anderer Programme.
Hat man das Stickmuster dann erstellt kommt der zweite Teil der Produktion: Das erstellte Muster muss auf den Weg in Richtung Nähcomputer gebracht werden. Bei BERNINA macht das eine Software namens EC on PC (Daher auch das geniale Wortspiel im Titel des Artikels). Diese scheint noch aus den Neunzigern zu stammen: Das Interface setzt auf kleine Männchen die durch Türen rennen, und auf orangene Piktogramme der nächsten Arbeitsschritte.
Auch bei EC on PC gilt: Die Software macht zwar schon was sie soll, dabei ist sie aber weder besonders anwenderfreundlich, noch besonders zugänglich.

Für den Mac gibt es vom Hersteller selbst mal wieder natürlich nichts. Das bin ich ja schon gewohnt, auch wenn es mich jedes mal wieder aufs neue erstaunt. Es gibt wohl Drittanbieter-Software, aber nicht für diese Maschine. Bei anderen Maschinen kann man wohl teilweise mit USB-Sticks arbeiten, die können dann auch von entsprechender Mac-Software befüllt werden, bei der Aurora 450 hat man die volle Kontrolle über das Nähwerk, braucht also einen richtigen Computer.

Und hier setzt meine Vision für die Zukunft ein. Eigentlich wäre das ein Feld, das wunderbar von neuen, mobilen Technologien profitieren könnte. In meinen Augen krankt das Konzept Nähcomputer zur Zeit an zwei Stellen: Der katastrophalen Softwaresituation, und daran, dass ich für die komplexen Einsatzzwecke wie das Sticken einen Computer benötige. Zwar ist der heutzutage in wohl jedem Haushalt vorhanden, in den seltensten Fällen ist aber das Nähzimmer und das Computerzimmer dasselbe. Im Gegenteil, sofern vorhanden teilen sie sich oft nicht mal das gleiche Stockwerk. Wer hier keinen Laptop sein eigen nennt, der möglichst auch noch leistungsfähig genug für eine Software wie CorelDRAW sein sollte, hat das Nachsehen.
Hier könnten Produkte wie das iPad ansetzen. Nicht nur sind sie super mobil und mit einem starken Akku ausgerüstet, auf ihnen kann auch der kreative Part ganz neu angegangen werden. Der große Touchscreen ermöglicht eine neue Art der Interaktion mit den eigenen Mustern, Formen und Texten. Sie können mit einem Fingerzeig an ihren Platz verschoben werden, Muster wie Kreise lassen sich mit der entsprechenden Software wie von selbst erstellen. Und das aussticken via USB wäre auch kein Problem, entsprechende Adapter gibt es schon längst.

Zur Zeit entsteht hier ein wachsender Markt. Computer sind längst in den Haushalten angekommen. Mobile Geräte wie iPhone und iPad werden demnächst den selben Status haben, den Computer zum Teil sogar wieder verdrängen. Gerade als Zweitgerät findet in vielen Haushalten eher das Tablett als ein zweiter Computer seinen Platz. Die Vorteile überwiegen hier. Der Hersteller, der als erster eine praktikable Lösung für das Tablett vorstellt hat einen ganz klaren Wettbewerbsvorteil.

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