Wenn du nicht für das Produkt bezahlst…

Wer für ein Produkt nicht bezahlt ist das Produkt. Dieses Prinzip ist nichts besonders Neues, auch wenn dieser Satz es sehr schön auf den Punkt bringt. Und was für die beiden Schweine rechts gilt, gilt auch für uns Menschen. Besonders in Zeiten von Facebook und Co, die ihr Geld nicht etwas mit Gebühren der Nutzern verdienen, sondern dadurch, dass sie unsere Profile an dritte weiterverkauft. Wir sind nie Facebooks Kunden gewesen, Kunde ist in diesem Beispiel die Werbeindustrie.

Ich habe aber mittlerweile ein neues Beispiel für dieses Prinzip gefunden, dass, so denke ich, sehr illustrativ ist. Die PAYBACK American Express Karte. American Express ist ein Kreditkartenanbieter, vom Image her eher auf dem Golfplatz zuhause. American Express ist die wertvollste Kreditkarten-Marke der Welt, und in den Top 30 der wertvollsten Marken insgesamt. Vor Audi, VW und J.P.Morgan zum Beispiel.

Möchte man eine Kreditkarte von diesem Anbieter kostet das, je nach Kartenprodukt, mindestens vier Euro pro Monat. dafür bekommt man die Blue Card, deren Hauptmerkmal die Karte aus durchsichtigem Kunststoff ist. Diese kostet also 48€ im Jahr, beziehungsweise wird sie beitragsfrei ab einem Umsatz von 3500€. American Express verdient also allein davon, dass sie die Karte ausgeben 48€ pro Jahr, ohne dadurch nennenswerte Kosten zu haben. Selbst wenn der Mindestumsatz von 3500€ erreicht wird, dann hat American Express am Umsatz mitverdient, und bei einer Transaktionsgebühr von 1,9% 66,50€ verdient. Je nach Kartenprodukt sind die Kosten auch höher, bei der American Express Card liegt die Jahresgebühr bei 55€ oder einem Mindestumsatz von 4000€, was wiederum Transaktionsgebühren von 76€ entspricht. Die Gold Card kostet sogar 140€ jährlich, die auch nicht durch Umsatz wieder abgebaut werden können.

Anders ist es bei der PAYBACK American Express Karte. Diese ist ohne Jahresgebühr und Mindestumsatz erhältlich, American Express wirbt damit, dass die Karte dauerhaft gebührenfrei ist. Ein Unternehmen wie American Express hat aber nichts zu verschenken. Irgendwie muss das Geld ja am Schluss wieder rein kommen. Klar, auch hier werden die Transaktionsgebühren für die Händler fällig, aber irgendwie kann das ja nicht alles sein. Im Gegenteil, eine gebührenfreie Karte nagt ja auch ein wenig am Image der Firma. Es gibt zwar Vorteile der Platinum Card, aber die beziehen sich hauptsächlich auf den Zugang zu Flughafen Lounges. Deshalb 600€ pro Jahr bezahlen? Eine American Express Karte hat nicht jeder, das prägt das Image dieses Zahlungsmittels.

American Express muss also mit der Karte, zuzüglich der Transaktionsgebühren mindestens 48€ an der PAYBACK American Express Karte verdienen. Vermutlich sogar noch etwas mehr, weil ja wie gesagt der, wenn auch leichte, Imageverlust ausgeglichen werden muss. Und das verdienen Sie durch Payback. Payback verkauft den teilnehmenden Händlern Profile der Kunden. Einkaufsgewohnheiten, bevorzugte Marken, etc. Damit kann der Händler gezielt werben und Kundengruppen ansprechen, oder auch dazu bringen verstärkt bei ihm einzukaufen. Das ganze ist aus Datenschutzgesichtspunkten höchst kritisch zu sehen, allerdings legal. Aber auch hier gilt: Paybacks Kunden sind die Händler, nicht die Konsumenten. Und für American Express muss der Mehrwert dieser Kundendaten so groß sein, dass sie dafür bereit sind auf die Gebühren zu verzichten und den angesprochenen Imageverlust hinzunehmen. Der Wert muss also noch größer als die hier aufgeführten Zahlen sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.