Wie dreist muss man sein, um mit der Angst Anderer Geld verdienen zu wollen?

Direkt nach Ladenöffnung schleicht sich ein etwas älterer Herr durch die Tür, hält sich aber vornehm im Hintergrund um nicht sofort von den Kollegen angesprochen zu werden. Ich nehme Blickkontakt auf und scheine vertrauenswürdig genug auszusehen, so dass er langsam auf mich zu kommt. Er müsse zwei Dinge zur Beichte bringen: Er habe sich erstens vergangenen Abend Pornos angeschaut und sich dabei zweitens einen Virus auf seinem iPhone eingefangen. Meine Erfahrung sagt mir, dass das zweite eher unwahrscheinlich ist, so dass ich mich erst mal darauf konzentrieren konnte ihm die Scham zu nehmen. Dinge passieren, der Pornokonsum unter Volljährigen ist nichts wofür er sich schämen muss.

Als er gemerkt hat, dass ich ihn nicht verurteile hat er mir die Situation beschrieben: Beim Surfen wollte er einen Film antippen. Dabei ging eine Seite auf die davon sprach, dass sein System kompromittiert sei und er per Paysafecard 100€ bezahlen soll um wieder an seinen Computer zu kommen. Ich habe mir das angeschaut, und das iPhone hat tatsächlich ein sehr langes Dialogfeld (länger als der Bildschirm) angezeigt. Darin wurde im Vorgeworfen er hätte Kinderpornografie konsumiert und deshalb habe die Polizei seinen Computer gesperrt und alle Daten verschlüsselt. Er soll die oben genannte Summe bezahlen um ein Strafverfahren abzuwenden. Tippte man nun auf OK sollte man den Paysafecard-Code eingeben. Beim zweiten Dialogfeld kam ich aber immer nur auf das erste zurück, egal ob ich auf Abbrechen oder auf OK getippt habe. Eine Code habe ich natürlich nicht eingegeben.

Ein Blick in die Adresszeile des Browsers offenbarte, dass die Seite ein JavaScript geladen hat. Dieses hat die beiden Dialogfelder provoziert, die Seite kann aber nicht geschlossen werden ohne nicht zuvor besagte Dialogfelder zu schließen, was ja wie oben ausgeführt nicht ging.

Die Lösung des Problems: Unter Einstellungen > Safari die Option „Verlauf und Webseitendaten löschen“ wählen. Damit werden alle im Safari offenen Seiten geschlossen, und der Spuk hat ein Ende. 

Ich habe die Symptome vorhin einige Minuten mit verschiedenen Suchbegriffen bei Google eingegeben, bin aber nur auf Quatsch gestoßen, was mich dazu bewegt hat diesen Artikel zu verfassen. Es ist absolut nicht notwendig sich ein Virenschutzprogramm aus dem App Store zu laden. Es ist auch nicht nötig alle Daten wegzuwerfen und das Telefon ohne Backup neu aufzusetzen. Das wichtigste ist es einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was mich tatsächlich auf die Palme bringt ist, dass es Leute gibt, die mit der Angst anderer Menschen Geld verdienen zu versuchen. Sowohl diejenigen die die Leute mit solchen Skripten in Angst und Schrecken versetzen als auch diejenigen die einem dann hinterher für teures Geld nutzlose Schutzprogramme verkaufen

Beitragsbild: FreeImages.com/Noel Abejo

Ein Gedanke zu „Wie dreist muss man sein, um mit der Angst Anderer Geld verdienen zu wollen?

  1. Lars

    Als ich die erste Person mit diesem Fehlerbild hatte, war dies mal wieder ein Moment wo ich dachte, wohin ist’s mit der Menschlichkeit?

    Und zur Behebung des „Problem“ muss ich zustimmen, im Netz steht vieles, außer sinnvolle Lösungsvorschläge zum einfachen Fehlerbild.

    Schöner Artikel weiter so.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.