Das MacBook Neo

Ich schreibe diese Worte über das MacBook Neo auf dem MacBook Neo, und fühle mich ein wenig um mein Geld betrogen. Nicht wegen dem Neo – das ist toll. Ich fühle mich ein wenig betrogen, weil ich quasi keinen Unterschied zu meinem MacBook Pro mit M1 Pro-Chip und 32GB RAM feststellen kann.

Ja klar, ich bin noch in der Honeymoon-Phase. Und auch klar: mein (beruflicher) Alltag besteht darin in Teams und Outlook zu tippen, an Meetings teilzunehmen und Webseiten durch die Gegend zu schubsen – zumindest zu einem gewissen Anteil. Aber: All diese Aufgaben schafft das Gerät mit Bravour.

Sicher habe ich auch genügend Aufgaben, in denen ich mich über den zusätzlichen Speicher freue, oder in denen ich die Rechenkerne im M1 Pro ausreize. Auch sicher: Ich mag schnelle Computer, so wie andere Leute schnelle Autos mögen.

Und dennoch komme ich nicht umhin ehrfürchtig anzuerkennen, wie sehr mich dieses Gerät fasziniert. Nicht, weil es fröhlich alles weg steckt, was ich ihm entgegen geworfen habe. Ich nutze das MacBook Neo auf die gleiche Art wie meine anderen Computer. Während ich das schreibe sind im App Switcher 17 laufende Programme aufgelistet. Mich fasziniert das Gerät vor allem, weil es so anders ist als die Macs die ich bisher in den Händen hatte. Es ist klein und leicht, die Farbe macht Spaß (Zitrus!). Ich mag, dass die Tastatur einen leicht gelben Taint hat. Ich mag, dass die Gummifüße in der Farbe des Rechners daher kommen. Ich mag, dass das Innere der USB-C-Ports (!) in der Farbe des Rechners daher kommen. Ich mag, dass die Ordner auf dem Schreibtisch in der Farbe des Rechners daher kommen, genauso wie die korrigierten Wörter in diesem Text mit dem Zitrus-Ton unterstrichen werden, bevor die Linie sanft ausgeblendet wird.
Das MacBook Neo ist kein perfekter Computer. Ich vermisse die beleuchtete Tastatur, und wenn es draußen hell ist dürfte das Display gerne heller sein.
Aber: Ich habe Freude an dem Gerät. Es ist klein, leicht, und lässt mich jedes mal erfreut lächeln, wenn ich es aus der Tasche ziehe.

Wie gesagt, ich mag schnelle Computer. Das MacBook Neo ist schnell genug, aber nicht schnell. Im Alltag merke ich das vor allem an einer Sache: Bildschirmteilen via Teams. Erstaunlicherweise ist Teams selbst kein Problem, das Programm läuft so gut (oder schlecht), wie auf meinen anderen Computern auch. Wenn ich aber einen Ultrawide-Bildschirm angeschlossen habe und den Bildschirm im Meeting teile merkt man, dass das Gerät an seine Grenzen kommt. Zumindest so wie ich es nutze, mit all den anderen Programmen im Hintergrund. Das Gerät bleibt nutzbar, man merkt aber deutlich, dass alles etwas zäher ist. Fenster bauen sich etwas langsamer auf, der Klick auf eine Schaltfläche braucht ein bis zwei Sekunden, bis auch wirklich eine Reaktion ausgeführt wird.

Allerdings ist das auch der einzige Punkt, der mir nach einer Woche wirklich aufgefallen ist. Ansonsten ist fast schon eine Frechheit, wie gut alles andere funktioniert.
Es funktioniert so gut, dass eine Arbeitsstation bestehend aus MacBook Neo, Bildschirm mit USB-C-Anschluss und einer günstigen Tastatur/Maus-Kombination aus meiner Sicht eine echte Alternative für viele Berufsgruppen bei meinem Arbeitgeber darstellt.

Mein MacBook Neo gehört meinem Arbeitgeber. Die letzte Woche habe ich es deshalb auch (hauptsächlich) für die Arbeit genutzt – wie gesagt, ohne wirkliche Probleme. Privat habe ich derzeit kein wirkliches Bedürfnis für einen Laptop. Daheim steht der Mac Studio, unterwegs nutze ich ein iPad Pro, und mir stehen Laptops zur Verfügung wenn es denn mal wirklich sein muss. Ich hätte auch gerne Zugriff auf etwas mit mehr Power als es das Neo hat. Mehr Pro. Ich schließe nicht ständig zwei Projektoren an, aber es ist schon vorgekommen. Ich rendere nicht ständig Final Cut-Projekte auf dem Rücksitz eines Autos, aber es ist schon vorgekommen. Für mich ist das Neo nicht der einzige Computer. Aber ich kenne eine Menge Leute für die es das sein könnte. Ich habe gerade kein MacBook Neo-förmiges Loch in meiner Computing-Welt. Aber ich hätte echt gerne eines.